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Rumänienurlaub
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Gastbetrag von Gerlinde - Reise im September 2019 -

 

 

 

Bericht einer dreiwöchigen Individual-Reise: Rumänien mit Bus und Bahn durchqueren

Text und Fotos: Gerlinde

 

 

Im September 2019 machte ich eine dreiwöchige Tour durch Rumänien. Ich war zurück in dem Land, in dem ich meine ersten 20 Lebensjahre verbrachte, dass ich im März 1990 verlassen und seitdem nicht mehr besucht hatte.

 

 

Liebe Frau Becker, Lieber Herr Franke,

 

um es gleich vorab zu verdeutlichen: diese Individual-Reise war nur aufgrund der detaillierten Landeskenntnisse von ihnen beiden realisierbar – ganz unabhängig davon, dass ich die Landessprache beherrsche und selbst über Informationen verfügte. Ich möchte auch gleich erwähnen, dass ich keine der gesammelten Eindrücke missen möchte. Diese drei Wochen (genauer: 22 Nächte) waren von Abwechslung geprägt. Dadurch, dass „Alles“ Bestens organisiert war (Flug, Unterkunft, Fahrscheine für Bus und Bahn sowie ein Flughafentaxi) konnte ich mich voll und ganz auf die Reise an sich einlassen. Auch während der Reise konnte ich mich bei Unklarheiten stets an sie wenden. Neben ihrer wertvollen Ratschläge hatte ich das sehr detailliert geschriebene Reisehandbuch von Diana Stănescu (Michael Müller Verlag) stets dabei – diese Buchempfehlung steht auch auf ihrer Internetseite und war nach längerer Recherche adäquater Reiseliteratur definitiv das Beste, das ich finden konnte - meist musste ich bloß noch die im Buch genannten Abfahrtszeiten überprüfen. Gute Hotels (meist 4*), waren, meinen Bedürfnissen gemäß, zentral oder, bei Bedarf, bahnhofsnah gebucht - werden also im folgenden Bericht nicht weiter erwähnt.

 

Die Idee, eine solche Reise endlich anzugehen, kam mir im Herbst 2018, als ich mal wieder in England unterwegs war. Dort besuchte ich u.a. den „Hadrians Wall“ und den Ort Whitby. Der Küstenort Whitby, mit seiner Klosterruine diente Bram Stoker als Inspiration für seinen „Dracula“ Roman. Dieser Roman und vor allem seine Verfilmungen hatten maßgeblich Einfluss auf den aufblühenden Tourismus, besonders nach 1990, um die sogenannten „Spuk-Schlösser und -Burgen“ in Transsylvanien. Vor 1990 kannte ich lediglich die historische Person Vlad Țepeş, dessen furchteinflößende Taten, Teil des spärlichen Geschichtsunterrichts waren.

 

Der streckenweise noch begehbare „Hadrians Wall“, an der Grenze zwischen England und Schottland, erinnerte mich an das andere Ende des Römischen Reiches: Constanța, dem ehemaligen Tomoi / Tomis / Tomi oder Constantiana, das als Küstenstadt am Schwarzen Meer zu finden ist.

 

Da ich aus dem Banat komme und bis zum Schwarzen Meer wollte, bedeutete dies also: mindestens einmal quer durch das Land. Meine Stationen hießen daher: Bukarest – Tărgu Jiu – Arad – Sibiu – Braşov – Tărgu Neamț - Bukarest - Constanta - Bukarest.

 

 

Reise durch Rumänien

 

 

Mit der Lufthansa ging es also von Frankfurt nach Bukarest (Otopeni) und die gleich Route zurück.

In Bukarest am Flughafen wurde ich bei der Anreise von einem vorab organisierten Taxi abgeholt und ins Hotel gebracht, bei der Rückreise brachte mich der selbe Taxifahrer wieder pünktlich zum Flughafen. Ein Service, der mir bei der Ankunft im Land als auch bei der Abreise nach einem so langen Aufenthalt sehr gut getan hat.

 

 

Oltenien und Arad

 

Nach einer Übernachtung in Bukarest ging es am nächsten Morgen gleich sehr früh mit dem Zug nach Tărgu Jiu. Die Eindrücke aus dem Zugfenster: eine unendliche Weite, hin und wieder ein Bahnhof. Auffallend war, dass an jedem auch noch so kleinen Dorfbahnhof ein Beamter mit der erhobenen Kelle stand bis der Zug vorbei war. Um mein Gepäck und dem Rucksack mit den Wertsachen (Fotoapparate, Laptop, Handy…) brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Der Zug war voll, aber jeder hatte auf der langen Fahrt seinen Sitzplatz und somit hatte ich das Gefühl der Sicherheit unter Fremden. Der bekannte Klang der rumänischen Sprache, der ruhige Tonfall, die entspannte Atmosphäre auf der langen Fahrt, die distanzierte Höflichkeit gegenüber der Mitreisenden. Dieses Gefühl der Sicherheit und des gegenseitigen Respekts hielt auch während der gesamten Reise an, auch wenn ich bestimmte Vorkehrungen traf: Wertsachen nicht offensichtlich zur Schau stellen, stets Kleingeld in der Hosentasche haben und keine unnötigen Risiken eingehen (z.B. bei Dunkelheit möglichst in Hotelnähe zu sein).

 

Ja, aber was gibt es in Tărgu Jiu zu sehen? Wozu nahm ich diese lange Zugfahrt auf mich?

In dem kleinen Städtchen in Oltenien stehen Freilicht-Kunstwerke (bzw. eine Trilogie) von Constantin Brăncuşi die ich seit meiner Schulzeit, unbedingt sehen wollte: „Das Tor des Kusses“, „Der Tisch des Schweigens“ und „Die Unendliche Säule“. Diese drei Kunstwerke waren, frei zugänglich aber bewacht, entlang einer Achse aufgestellt. Zwei Tage also umkreiste ich diese Kunstwerke, und bekam so nebenbei das Kleinstadtleben mit, fernab aller touristischer Hochburgen. Hier tummelten sich höchstens einige rumänische Touristen. Unter dem „Tor des Kusses“ stellten sich stets von neuem verliebte Paare auf - mit der einzigen Bestimmung die der Name schon andeutet. Rings um die Unendliche Säule spielten Kinder und ließen Drachen steigen, während die Großeltern auf den aufgestellten Bänken ihrer Aussichtspflicht nachkamen. Auffallend war wie viele Trinkbrunnen in der ärmlichen doch sehr gepflegten Stadt aufgestellt waren. Die Schulkinder trugen auch hier an diesem abgelegenen Ort stolz ihre Uniform. Die Bräncuşi-Trilogie inspirierte mich auch zu der diesjährigen Neujahrskarte.

 

 

Neujahrskarte 2020 - Tărgu Jiu

 

Foto: Constantin Bräncuşi in Tărgu Jiu – ein beeindruckendes und inspirierendes Skulpturenensemble

 

 

Wochenmarkt in Tărgu Jiu

 

Foto: Wochenmarkt in Tărgu Jiu – frische scharfe Paprika (ardei iute) darf in keiner guten ciorbă fehlen

 

 

Von Tărgu Jiu aus, ging es wieder früh am Morgen in Richtung Arad, der Stadt, wo ich auch zur Schule ging. In Arad steht ein ungewöhnlich modern ausgebauter Bahnhof, der sogar über Rolltreppen verfügt. Dies ist erwähnenswert, da kleinere Bahnhöfe, wie z.B. in Tărgu Jiu, nicht mal über Bahnsteige zwischen den Gleisen verfügen. Dafür gab es aber stets eine höflich helfende Hand beim Gepäcktragen unter den Reisenden, auch in den Zügen.

 

Arad war mir also vertraut, doch hatten die letzten 30 Jahre auf die Stadt eingewirkt. Aufwändig renovierte Fassaden in der Innenstadt, legendär gute Konditoreien und Strudelmanufakturen. Leider waren die alten Kinos verschwunden. Dafür gab es eine Shopping-Mall mit einem Groß-Kino. In Arad und später nochmals in Braşov nutze ich die Gelegenheit, Filme in Originalsprache zu sehen: „La Gomera“ sowie „Once upon a Time… in Hollywood“ – die Originalversion, bei Bedarf mit Untertitel, ließ Erinnerungen an meine Jugendzeit aufkommen, in der die Filme mitunter nicht so aktuell waren und die Übertragung nicht technisch perfekt ausfiel. Dafür war der Kinobesuch sehr günstig und vermittelte einen Flair von der großen weiten Welt.

 

In Arad war ich im „Hotel Continental“ untergebracht, unter Einheimischen als „Astoria“ bekannt. Vom Balkon dieses Hotels genoss ich eine unglaubliche Aussicht über die mir bekannte Stadt. Von Arad aus ging es an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu Besuch in mein Heimatdorf Saderlach, eine alemannische Sprachinsel in der Diaspora, heute nur noch „Zădăreni“, da alle deutschen Bewohner ausgewandert sind. Siehe: http://www.saderlach.de/ 

 

 

Bukarester im Libelula in Arad

 

Foto: Bukarester im Libelula in Arad

 

 

Blick auf Arad

 

Foto: Blick auf Arad

 

 

Siebenbürgen: Sibiu und Braşov

 

Von Arad ging es mit dem Zug weiter in die Touristenhochburg Sibiu (Hermannstadt). Diese Region hatte ich noch nie zuvor besucht und war also gespannt auf deren Flair, auch wenn ich gewisse Vorurteile mit der „Europäischen Kulturhauptstadt 2007“ verband. Diese Vorurteile basieren z.T. auf konfessionelle Trennlinien: während die deutsche Bevölkerung im Banat überwiegend katholisch war, überwog der protestantische Anteil in der siebenbürgischen deutschen Bevölkerungsgruppe.

 

Nach der Ankunft in der Dämmerung, ging es erst mal mit dem Rollkoffer durch die mit Kopfsteinpflaster ausgelegte Innenstadt, das Hotel befand sich ja schier in Sichtweite. Obwohl nicht weit weg vom Ziel, war der Weg doch nicht ganz ohne. Bei zunehmender Dunkelheit ging es stets bergauf durch die verkehrsberuhigte Innenstadt, den vielen Türmen und den irgendwie ungewöhnlich gestalteten Dachfenstern, die wie beobachtende Augen auf einen herabblickten.

 

 

Sibiu, Giebelaugen über der Lügenbrücke

 

Foto: Lügenbrücke in Sibiu

 

 

Bei Tageslicht sahen diese Dachfenster eher putzig aus.

 

Die Innenstadt Sibius war, wie erwartet, von vielen Touristen, darunter auch Deutschen, besucht. Als Besuchsziel hatte ich lediglich das Brukenthal-Museum mit seiner reichhaltigen europäischen Sammlung ausgemacht. Durch die stets zentrale Hotellage ergibt sich nach und nach automatisch eine detaillierte Stadterkundung. Die geschichtsträchtige evangelische Kirche wurde gerade renoviert, und so konnte bloß eine Turmbegehung gebucht werden. Ausgestellt im Vorraum ist das Original Taufbecken des amtierenden rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis. Als man von mir 3 Lei wollte, sollte ich ein Foto dieses Gefäßes in Betracht ziehen, lehnte ich dankend ab. Im Gegensatz dazu waren die katholischen Kirchen, nicht nur in Sibiu, unentgeltlich zugänglich und tagsüber offen. Diese Zugänglichkeit zu den reich geschmückten katholischen Kirchen im Herzen Siebenbürgens, das ich bisher als protestantische Hochburg in Erinnerung hatte, erstaunte mich doch sehr. Das Innere dieser katholischen Kirchen war sehr sorgsam in Stand gehalten und immer mit frischen Blumen geschmückt: von Arad bis Constanța.

 

Innerhalb Transsylvaniens ging es von Sibiu nach Braşov. Es stellte sich, gleich schon beim ersten Abend in Braşov, der Eindruck ein, dass diese Städte, obzwar scheinbar ähnlich, doch gleichwohl grundverschieden waren. Schon der Bahnhof in Braşov ist ein (rumänisches) Markenzeichen.

 

 

Der Bahnhof von Brasov

 

Foto: der Bahnhof in Braşov – die Trikolore der Landesfarben ist nur bei Tage sichtbar

 

 

Davor stehen die vielen Busverbindungen in die nächste Umgebung. Mir wurde bei meiner kurzen Wartezeit auf den nächsten Bus gleich in vollem Stolz mitgeteilt, dass diese Stadt über die modernste Infrastruktur im ganzen Land verfügt. Während meines Aufenthalts in dieser großflächigen Stadt sollte ich noch sämtliche drei Busbahnhöfe kennenlernen, mit den jeweiligen Busgesellschaften dazu. Alles kein Problem, denn diese minutiösen Details standen alle in meinem Reiseführer.

 

Von Sibiu und Braşov aus besuchte ich mit dem Regionalbus eine Kirchenburg. Eine ruinenhafte, auf einer Anhöhe gelegene Anlage in Cişnidoara, von Sibiu aus.

 

 

Kirchenburg Cişnidoara

 

Foto: Kirchenburg-Ruine Cişnidoara (Michelsberg)

 

 

Wie so oft war hier bereits schon der Weg zum Ziel die Reise wert, denn ich legte zu Fuß den Weg zwischen den Orten Cişnädie und Cişnidoara zurück. Bei noch spätsommerlich warmen Temperaturen kam ich am örtlichen kleinen Markt vorbei, auf gepflegten Straßen, bis es hinauf ging zum Ziel. Von oben herab dann die Aussicht auf die herbstlich gefärbten Bäume. Die Kirchenburg in Cişnädie war viel besser erhalten, wurde aber gerade renoviert.

 

Die Kirchenburg Prejmer, im gleichnamigen Ort in der Nähe von Braşov, war ein Ereignis. Das sehr gut erhaltene und restaurierte Bauwerk hatte an diesem Sonntagmorgen nur wenige Besucher, und so konnte man ungestört alleine das Innenleben der Schutzmauer erkunden. Die gewaltige Ringmauer, deren Luken zur Außenseite der Verteidigung dienten, konnte von innen über den schummrigen „Wehrgang“ gänzlich durchlaufen werden. Die Kirche im Innenhof war auch bestens erhalten und hatte schon als Filmkulisse für bekannte europäische Produktionen („Papst Johanna“ – 1972 – mit Liv Ullman als Päpstin) gedient. Der Langosch am Eingang schmeckte auch köstlich, vielleicht auch, weil man lange auf seine Fertigung warten musste.

 

 

Kirchenburg in Prejmer

 

Foto: UNESCO-Weltkulturerbe – die Kirchenburg in Prejmer (Tartlau)

 

 

Die Kirche innerhalb der Mauern – Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert

 

Foto: Die Kirche innerhalb der Mauern – Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert

 

 

Meine Wunschliste bei meiner Rundreise beinhaltete auch Tagesausflüge in die Berge der jeweiligen Region. Diese Orte waren mir vom Hörensagen ein Begriff. Als Vorbereitung diente auch der Wanderführer aus der Rother-Reihe: „Rumänien-Südkarpaten“. Diese Ziele waren gut mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln anzufahren, die nötige Wanderausrüstung (Bergschuhe, Wanderstöcke und passende Kleidung) war eingepackt und das Wetter war bestens. Was ich aber maßlos unterschätzt habe, ist der mangelnde Wandertourismus in Rumänien. Nie traf ich auf einheimische Wanderer, denn meist werden die Ziele mit dem Auto angefahren, um dann mit der Seilbahn in die Höhen aufzusteigen. Lag das daran, dass gerade keine Feriensaison war oder war die Ursache viel naheliegender: die Wildtiere. Ja, dass es viele Braunbären gibt, war mir bewusst. Und auch, dass es an Füchsen und Wildschweinen nicht mangelt. Die groß aufgestellten Schilder, die vor Bären oder der Fuchs-Tollwut warnten, hinterließen somit in der menschenleeren Wandergegend einen tiefsitzenden Respekt vor der Natur.

 

Eine Tagestour aus Sibiu führte mich mit dem Bus nach Păltiniş, einem in Rumänien sehr bekannten Erholungsort.

 

 

Ausschildung der Wanderwege, kein Mensch weit und breit

 

Foto: Quo vadis? - Ausschildung der Wanderwege, kein Mensch weit und breit

 

 

Der Ort wird auch im Rother Wanderführer als Start/Ziel für Wanderungen verschiedener Schwierigkeitsgraden angeführt.

 

 

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 Foto: Wanderkarte

 

 

Als ich jedoch am frühen Morgen am Ziel ankam, merkte ich, dass keine anderen Wanderer mit mir ausgestiegen waren, lediglich einige Bau- und Forstarbeiter gingen schnell ihres Weges. Auch im weiteren Verlauf meines Wanderweges stieß ich auf keinen einzigen Wandertouristen. Diese Bedingungen in Verbindung mit den groß aufgestellten Bärenwarnschildern ließen ein gewisses Unbehagen aufkommen, obwohl die Luft rein und die Natur ringsherum zum Verweilen aufforderte. Also machte ich irgendwann kehrt. Da der nächste Bus erst Stunden später zurückfuhr, erkundete ich die Gegend und machte in einem sagenhaft gelegenen Hotel-Restaurant „Hohe Rinne“ Rast. Die Lage des Hotels sowie die Inneneinrichtung schienen wie unwirklich an diesem abgelegenen Ort und ließen Erinnerungen an den Film „Shining“ mit Jack Nicholson aufkommen. Die „ciorba“ & „mămăliga cu brȋnză“ (Eintopf & Maisbrei mit Schafskäse) schmeckten unübertrefflich nach der Wanderung. Als ich am Tisch saß, bemerkte ich am Nebentisch ein älteres Pärchen aus meinem Hotel: die sind mit dem Bus hierher gefahren nur wegen dem Restaurant und der guten Luft. Vom Hotel aus fuhr der Bus direkt nach Sibiu zurück.

 

 

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Foto: Hotel Hohe Rinne - ein Haus mit Geschichte in der Waldeinsamkeit

 

 

Die Fahrt nach „Poiana Braşov“ war auch mit dem Zweck einer Wandertour verbunden, was aber in einer Seilbahnfahrt zum Gipfel „Postăvarul“ (1800 m) endete. Hier waren die Bären-Berichte der Einheimischen besonders plastisch und drastisch: so soll sich vor wenigen Wochen eine Bärin an einen marschierenden Soldatentrupp herangewagt haben, der Letzte in der Reihe wurde angegriffen… auf jeder Berg- und Hügelseite säße eine Bärin mir ihren Jungen.

 

 

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Foto: Gipfel - Postavarul

 

 

„Castelul Bran“, das sogenannte „Dracula-Schloss“, auch problemlos mit dem öffentlichen Busverkehr erreichbar, stellte sich wie erwartet als ein besonders gut besuchtes Ziel heraus. Hier begegneten mir zum ersten Mal Touristen aus allen Herren Länder, nur mit dem einen Ziel angereist: sich in der Menschenmenge durch das Innere des „Schlosses“ durchschieben zu lassen. Auch ich ließ diese Prozedur über mich ergehen, doch erkundete ich im Nachhinein noch das Umland. Unter dem Schloss fiel mir auch dieser besondere Blumenschmuck auf, der in seiner Schönheit alle Klischees des Landes und des Ortes in sich trägt.

 

 

Herbst - Castel Bran, Knoblauchgesteck

 

Foto: Knoblauchgesteck aus Bran

 

 

Braşov erschien mir als der am interessanteste und glücklichste Ort auf der ganzen Rundreise. Auch hier gibt es viele Touristen, doch verteilen sie sich gut in der weitläufigen Stadt. Auffallend ist die lockere Atmosphäre unter den Bewohnern auf den öffentlichen Plätzen, die Vielfalt an speziellen kleinen Läden und kulturellen Einrichtungen, das sich offen zeigende jüdische Leben, die gute Infrastruktur und dass es verhältnismäßig viele junge Menschen zu sehen gab. Ach, dachte ich bei der Ankunft: schon der Bahnhof ist unübersehbar. Doch weit gefehlt: in der Nacht leuchtete er in anderen Farben als am Tage! Dies wurde mir zum Verhängnis, als ich nach dem Kino-Besuch zurück in mein Hotel wollte: ich fuhr einfach daran vorbei.

 

In Braşov steht vor dem wunderschönen Rathaus eine sehr gut gestaltete Statue der Kapitolinischen Wölfin.

 

 

Statue der Kapitolinischen Wölfin

 

Foto: Statue der Kapitolinischen Wölfin in Brasov

 

 

Diese Darstellungen finden sich insgesamt 22 Mal in Rumänien, ich begegnete ihr daher noch in Bukarest und Constanța, aber nirgends erschien mir dieses bekannte Ensemble so erhaben wie hier. Vor dem Rathaus erstreckt sich ein kleiner schöner Stadtpark, in dem noch die letzten Rosen blühten und dufteten. Aber über der Stadt ragt der Berg mit dem bekannten, in Hollywood-Manier stark präsenten Schriftzeichen „BRASOV“. Unterhalb dieses Stadt-Berges (Tȋmpa) gibt es eine Seilbahnstation. Leider kam ich stets zu spät an der Talstation an, um hochzufahren. Ein Aufstieg zu Fuß in der Abenddämmerung erschien mir auch hier wegen den einprägsamen Wildtier-Warnhinweisen zu gewagt. Es war mir bekannt, dass es rings um Braşov eine hohe Braunbärenpopulation gibt, die Situation spiegelt sich wohl am ehesten in der hohen Bußgeldsumme für hinterlassenen Müll wieder.

 

 

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Foto: „Wildtiere“ vor Ort – u.a. Bär, Fuchs, Wildschein und sehr hohe Bußgelder für hinterlassenen Müll

 

 

Im Klostergürtel: Agapia und Tărgu Neamț

 

Szenenwechsel: beim Verlassen Transsylvaniens, durch die Berge hindurch, später durch die „Cheile Bicaz“ (eine enge Schlucht), vorbei am „Lacul Roşu, schlängelte sich der Busfahrer und es dauerte seine Zeit, bis er den Zielort in Tărgu Neamț erreichte. Hier im sogenannten rumänisch-orthodoxen Klostergürtel waren keine katholischen und evangelischen Kirchtürme mehr zu sehen. Ich wurde von meiner Pensionsinhaberin, „Doamna Maria“ vom Busbahnhof abgeholt und in das etwa 20km entfernte Agapia gebracht. Als ich auf den Balkon der kleinen Pension trat, blickte ich auf einen Rosengarten in der Abendsonne, in dem die Hauskatzen den Tag ausklingen liessen. Es ist eine Jäger- und Försterfamilie, und ja, Wildschweine gibt es hier genug und auch Bären stehen auf der Speisekarte, doch jetzt sei keine Saison. Als ich am nächsten Tag vom naheliegenden Kloster Agapia (Nonnenkloster) zu Fuß den 8km weiten Weg durch den Wald in Richtung Kloster Sihla (Mönchskloster) antreten wollte, stand ich vor der nächsten Herausforderung: Hunde. Ich hatte zwar meine Wanderstöcke dabei, aber ob diese mich wirklich schützen konnten, erschien mir zweifelhaft. Als ich beim Eintritt in den Wald, neben Tollwut bei Füchsen auch die gewohnten Bärenwarnschilder sah, kehrte ich um. Gleich darauf wurde ich von Pilgern, die in ihrem PKW unterwegs waren, nach dem Weg gefragt, sie nahmen mich gerne bis zum Kloster Sihla mit. Die Einheimischen konnten es schier nicht fassen, dass ich „allein“ und auch noch „zu Fuss“ die 8 km durch den Wald zurücklegen wollte – die Frau bekreuzigte sich öfters.

 

Im Wald, die klare Luft, die Ruhe und Erhabenheit des Ortes. „Auto-Pilger“ hätten mich gerne (unentgeltlich) zu den anderen Klöster mitgenommen – doch ich beschloss, bei nächster Gelegenheit, wieder zum Kloster Agapia zurückzukehren. Hier kam ich mit einer Ordensschwester ins Gespräch („Maica Elefterie“). Wir gingen ein Stück des Weges zusammen, sie wollte mir das Alte Kloster Agapia zeigen, in dem sie wohnt. Es benötigt nicht der Erwähnung, dass während dieser Begleitung kein Hund am Wegesrand sich uns in den Weg stellte oder gar bellte. Weil aber jeder Ortsbewohner ein freundliches Wort an sie richtete, kamen wir nicht so „richtig“ voran und ich beschloss umzukehren bevor die Dunkelheit eintrat.

 

Weil es in dieser abgelegenen Gegend keinen regelmäßigen Busverkehr gab, wurde ich, auf meinen Wunsch, vom Sohn der Familie der Wirtin, in die Stadt Tărgu Neamț gefahren. Dort ging es nach dem obligatorischen Marktbesuch hinauf zur „Cetatea Neamț“. Diese sorgfältig restaurierte Burg erhob sich wie ein Wunderwerk, auf Stelzen getragen, inmitten eines vom Regen dampfenden Waldes.

 

 

 Festung Neamt (Cetatea Neamt) in Tirgu Neamt

 

Foto: Imposant – Festung Neamț (Cetatea Neamț) in Tărgu Neamț

 

 

Es hatte hier in der Nacht etwas geregnet, und so genoss ich die reine Luft inmitten des Waldes. Im Innern der restaurierten Räume der Burg hingen Zitate rumänischer Schriftsteller, die sich zu Lebzeiten in der dortigen Gegend aufhielten. Die Region um Tărgu Neamț ist nicht nur Teil eines Klostergürtels, sondern auch ein Geburts- und Inspirationsort bedeutender rumänischer Schriftsteller. So überquerte ich in der Mittagshitze zu Fuß den Fluss Neamț, besser bekannt unter dem Namen „Ozana“, um in den Stadtteil Humuleşti, zum Geburtshaus des Dichters Ion Creangă, zu gelangen. Dieses Einraum-Haus wird zusammen mit dem Garten, wahrhaft wie ein hohes Kulturgut, in Stand gehalten. Unweit dieser Gedenkstätte, kam ich an einem anderen musealen Ort vorbei: dem Wohnhaus von Veronica Micle, der Muse des großen Poeten Mihai Eminescu. Nach so viel Landeskunde, wurde ich in Absprache wieder abgeholt und wohlbehalten in meine Pension zurückgebracht, wo ich eine weitere Variation einer köstlichen Ciorbă genießen konnte.

 

 

Betagter Mann verkauft Eingemachtem vor dem Ion Creangă Haus

 

Foto: Betagter Mann verkauft Eingemachtem vor dem Ion Creangă Haus

 

 

Bukarest und Schwarzmeerküste

 

Zurück in Bukarest war wieder Kontrastprogramm angesagt. Ein wichtiges Ziel war der legendäre Stadtpark „Cişmigiu“, der Eintritt war kostenlos und so flanierte ich inmitten von Einheimischen am Sonntag durch den Park. Bukarest ist nicht einfach zu fassen, gerne hätte ich noch das eine oder andere Museum gesehen, einen weiteren Kinofilm angeschaut oder ein Theater besucht. Gerne hätte ich auch mehr gelesen, so kaufte ich mir die wöchentlich erscheinende Zeitung „Dilema Veche“, mit sehr guten Beiträgen aus Kultur und Gesellschaft.

Aber die Reise neigte sich dem Ende zu und so kann ich nur von den schattigen Straßen im Universitätsviertel berichten, den großen Plätzen, der günstigen und komfortablen U-Bahn. Das größte Gebäude des Landes besuchte ich auch – durch Zufall. Als ich am Wochenende abends mal wieder zu Fuß das Umfeld erkundete und irgendwann in Richtung Regierungspalast unterwegs war, um es zumindest fotografisch einzufangen, stellte ich fest, dass ein „Wine- & Food Festival“ direkt vor dem Eingang zugange war. So hatte ich also Gelegenheit in den Hof des Gebäudes bis zum Eingang zu gelangen und das musikalische und kulinarische Angebot zu genießen.

 

 

Parlamentspalast in Bukarest

 

Foto: Das Parlamentspalast in Bukarest – daneben entsteht ein ebenso prestigeträchtiges Symbol

der rumänisch-orthodoxen (Staats-)Kirche

 

 

Abschließen möchte ich meinen Reisebericht mit dem Besuch in Constanța. Auch für diese Tagesreise war die Fahrkarte schon „vorgebucht“, inklusive Sitzplatz in der ersten Klasse. Die Fahrt dauerte zwei Stunden ohne Zwischenhalt, und ich kann mich hier nur wiederholen: der Blick aus dem Zugfenster ist schon ein Erlebnis an sich: allein die unverstellte, flache Landschaft ohne Windparks. Besonders bei der Rückfahrt, als der Zug durch eine schier vollkommene Finsternis glitt. Auch in Constanța: der freie Blick über das Meer bis weit in den Horizont. Dazwischen: ein Stadtrundgang der Superlative. In meinem Literaturzirkel hatten wir das Buch „Die letzte Welt“ des österreichischen Schriftstellers Christoph Ransmayr gelesen. Darin geht es um die Verbannung des römischen Dichters Ovid nach Tomis, dem heutigen Constanța. An der „Piața Ovid“, an dem ein Denkmal des Dichters steht, wollte ich meinen Stadtrundgang beginnen. Doch dieser Platz war nicht so einfach zu finden, die Busse umfahren die Altstadt, die sich auf einem Plateau befindet. Obwohl es ein Wochentag war, erschien diese Altstadt menschenleer, und so ging ich hinunter zum „Litoral“, dem örtlichen ebenfalls schier menschenleeren Strand. Am Strand traf ich auf einen älteren pensionierten einheimischen Herrn, der, als er hörte wo ich noch hin wollte, mir eine Führung anbot – da er eh nur so herumlaufen wollte. So ging es also vorbei am Casino, dem Ort an dem mein Begleiter mal vor langer Zeit geheiratet hatte. Ein weiteres Merkmal dieser wie dem Verfall preisgegebenen Stadt waren die Nähe der verschiedenen Gotteshäuser: katholische Kirche, rumänisch-orthodoxe Kirche und einer Moschee. Ein weiteres wunderschönes dem Verfall preisgegebenen Gebäude war „Casa cu doi Lei“ – die Villa eines einstigen Bankiers. Als ich meinen Begleiter fragte, warum denn „doi lei“ denn auf der Fassade sah ich mindestens 4 Löwen im abendlichen Sonnenlicht, antwortete er mir nur, das hätte was mit dem ehemaligen Besitzer und mit dem aktuellen Verkaufspreis zu tun… Die Stadtführung endete an der „Piața Ovid“, wo wir an der Statue des weltbekannten Poeten in Denkerpose, vor dem Hintergrund des geschichtsträchtigen archäologischen Museum, eine kurze Rast einlegten.

 

 

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Foto: Piata Ovid in Constanța – ein großer Poet vor historischer Kulisse

 

 

 Casa cu doi Lei in Constanța

 

Foto: Casa cu doi Lei in Constanța – auch im Verfall liegt ein Zauber inne

 

 

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Foto: Wandmalerei in Constanța – der Gekreuzigte trägt schwer an der Vergangenheit und am Leid der Gegenwart

 

 

Zum Schluss nochmals ein einfaches Danke an die Organisatoren. Ich werde mich selbstverständlich wieder an sie wenden, sollte ich weitere Teile Rumäniens kennenlernen wollen. Der Organisationsaufwand, für eine „einzelne“ Kundin mit Sonderwünschen, ist auch nicht selbstverständlich.

 

 

Rose aus Agapia Ende September im Abendlicht – der Geruch lässt sich im Bild leider nicht darstellen

 

Foto: Rose aus Agapia Ende September im Abendlicht – der Duft lässt sich im Bild leider nicht darstellen

 

 

Die Reisefreiheit ist ein hohes Gut, und gerade in diesen Monaten lässt sich erkennen wie fragil sie sein kann. Gerade als Frau allein zu Reisen ist nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Jetzt weiß ich es: in Rumänien ist es machbar.

 

Möge mein Bericht den Lesern als Inspiration dienen. Widerholbar ist diese Reise nicht, denn Eindrücke sind mitunter zufallsbedingt und basieren auf unserem Vorwissen und der individuellem Wahrnehmung.

 

 

Mannheim, 8. April 2020

Gerlinde Lidolt

 

    

 
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